Im gesteckt vollen Volkstheater fand heute die Festmatinee zum 70. Geburtstag von Johanna Dohnal statt. Die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely gratulierte an erster Stelle und skizzierte Johanna Dohnal als Kämpferin gegen Männerbündelei und gegen übertriebenes Weiblichkeitsgetue und für die Vielfalt von Lebensentwürfen. Die nach wie vor unterschiedliche Bewertung von Frauen und Männern brachte Wehsely auf den Punkt: „Männer gelten als zielbewusst, Frauen dagegen schnell als übertrieben ehrgeizig.“ Dabei sei es wichtig klar auszusprechen, dass es um die (Um)Verteilung von Macht gehe.
„Du bist wie die Dohnal!“
Barbara Prammer, heute Nationalratspräsidentin, erinnerte sich in ihrer Rede an die „Bezeichnungen“, die FrauenpolitikerInnen – auch aus den eigenen Parteireihen – oft entgegen flogen. „Du bist wie die Dohnal hieß es da auch manchmal. Das war in den meisten Fällen nicht als Lob gemeint, aber wir haben es als Lob aufgefasst.“ Prammer erinnerte in ihren Dankesworten an Johanna Dohnal an den Kampf um die „Quote“ innerhalb der Partei. Beim ersten Quotenbeschluss 1985 sei Dohnal dem Parteitag fergeblieben, da sie eine derart schwammige Formulierung nicht mittragen wollte und konnte. „Damals war eine Soll-Bestimmung enthalten und keine genaue Zeitangabe“, berichtete Prammer. Mittlerweile gibt es in der SPÖ eine Muss-Bestimmung mit einer 40:40:20-Quote für alle Listen und Gremien (40% Frauen, 40% Männer, 20% offen), aber auch das reiche nicht. „Ich wünsche mir eine gesetzliche Bestimmung, die für alle Parteien verbindlich ist“, forderte Prammer in ihrer Rede.
„Johanna schwamm immer gegen den Strom“
Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erinnerte sich in seiner Rede an die Auftritte Johanna Dohnals in „der Provinz“, in Niederösterreich. „Dort waren wahrlich keine Vertreterinnen des ‘Radikalfeminismus’ zuhause. “ Der nachhaltige Einsatz von Dohnal für die Gleichstellung der Frauen hätte aber bewirkt, dass selbst dort die Männer einsehen hätten müssen, dass die Gleichstellung ein wichtiges Thema sei. Denn auch die Frauen vor Ort hätten dank Dohnal dann keine Ausflüchte mehr toleriert. Gusenbauer weiter über Dohnal: „Sie hat sich nicht nur für die Anliegen der Frauen eingesetzt, sie war auch eine Friedenskämpferin.“ Dritter Schwerpunkt ihrer Arbeit sei der Einsatz für soziale Gerechtigkeit gewesen. Der Ex-Kanzler meinte in diesem Zusammenhang: Auch in der aktuelle Krise heiße es wachsam sein, damit nicht die soziale Gerechtigkeit auf der Strecke bleibe und die vielen dafür bezahlen müssten, was wenige verursacht hätten. Über Johanna Dohnal meinte Gusenbauer treffend: „Johanna Dohnal schwamm stets gegen den Strom. Das ist vernünftig. Denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.“
Weg mit den Geschlechterhierarchien!
Johanna Dohnal bewies in ihrer kurzen Dankesrede, wie punktgenau sie formulieren kann. „Geschlechterhierarchien sind nicht modernisierungsfähig, sie gehören weg“, stellte die Ex-Frauenministerin kurz und bündig klar.
Literaturtipps zu Johanna Dohnal:
Erika Thurner/Alexandra Weiss (Hg) (2008). Johanna Dohnal. Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen. StudienVerlag.
Susanne Feigl (2002). Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal. Eine Biografie. Ueberreuter Verlag.
Erika Kreisky/Margit Niederhuber (1998). Johanna Dohnal. Eine Festschrift. Milena Verlag.
Abgelegt unter : Allgemeines, Frauenpolitik, Gleichstellung