Auch „Illegale“ haben Rechte – Hausarbeiterin ohne Papiere klagte in Deutschland Lohn ein

Mithilfe der deutschen Gewerkschaft ver.di wagen erstmals Beschäftigte ohne Papiere ihren Lohn einzuklagen. Ana S, eine junge Frau aus Peru, war die erste, die den Gang vors Gericht wagte. ver.di Gewerkschafter Peter Bremme berichtete darüber kürzlich bei einer Veranstaltung in Wien.

Ana S. zog mithilfe von ver.di vors Arbeitsgericht, um von ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einer reichen Hamburger Familie, einen gerechten Lohn einzuklagen. Die Peruanerin war als Au-pair nach Deutschland gekommen. Als nach einem Jahr das Visum abgelaufen war, überredete die Familie sie, zu bleiben. Ana S. blieb illegal in Hamburg. Insgesamt 39 Monate arbeitete die Frau bei der Familie – oft mehr als zehn Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Dafür zahlte die Familie gerade 500 Dollar monatlich. Erst mithilfe einer Beratungsstelle gelang es Ana S., die Familie zu verlassen. Sie wurde Mitglied von ver.di und klagte den ihr vorenthaltenen Lohn ein. Ana S. berichtet übrigens in einem Dokumentarfilm über ihre Zeit als Kindermädchen bzw. Hausarbeiterin in Deutschland.

Geld, aber Abschiebung

Der Gang vor Gericht war für Ana S. nicht ohne Wagnis. Peter Bremme dazu bei der Veranstaltung am 16. November in Wien. „Auch ArbeiterInnen ohne Papiere haben Rechte. Aber diese Rechte einzufordern, das ist verbunden mit dem Risiko, abgeschoben zu werden.“ ver.di hatte für Ana S. vor dem Arbeitsgericht eine Nachzahlung von 47.000 Euro eingefordert – bei einem Mediationsverfahren mit dem Arbeitgeber im März 2008 einigte man sich auf einen Teil davon. Danach musste Ana S., die ja keine Aufenthaltsbewilligung hatte, Deutschland verlassen. Mittlerweile lebt Ana S. mit gültigen Papieren wieder in Deutschland.

Eigene Anlaufstelle für Papierlose

In der Folge gründete ver.di eine eigene Anlaufstelle für MigrantInnen ohne gesicherten Aufenthalt ein, die MigrAr (Migration und Arbeit). Im Herbst 2009 brachte MigrAr einen zweiten Fall vor Gericht. Bei diesem Fall ging es nicht um eine illegale Beschäftigung in einem Haushalt, sondern in einem Unternehmen. Auch hier erreichte die Gewerkschaft, dass der Betroffene, ein serbischer Arbeiter, der mittlerweile wieder in seiner Heimat lebt, im Rahmen eines Vergleiches zumindest einen Teil des vorenthaltenen Lohnes nachgezahlt bekam. Weitere Prozesse von Beschäftigten ohne Papiere, die unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt wurden, sind geplant, kündigte Bremme bei der Veranstaltung in Wien an.

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Eingeordnet unter Allgemeines, Arbeitsmarkt, Gewerkschaft, Papierlose

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