Geschichte

Wer Gewerkschaft hört, hat meist ein Bild von einem Mann (oft älter, oft übergewichtig) vor Augen. Gewerkschafterinnen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt, und doch gab es von Beginn der Gewerkschaftsbewegung an engagierte Frauen. Sie setzten sich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Bildung für die Arbeiterinnen ein. Gleichzeitig kämpften sie auch intern um mehr Rechte und Ressourcen für die Frauenarbeit. Einige dieser Gewerkschafterinnen sollen hier vor den Vorhang geholt werden.

Anna Boschek – die erste Gewerkschafterin im Parlament

Anna Boschek mit Anton Hueber

Anna Boschek mit Anton Hueber

Ihre Kurzbiografie zum Nachlesen auf diestandard.at

Die Arbeiterin Anna Boschek war die erste Frau an der Spitze der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. Sie leitete gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit Anton Hueber die sozialdemokratische Gewerkschaftskommission. Im Rahmen der Mitarbeit am sozialrevolutionären Gesetzeswerk von Ferdinand Hanusch trat sie für die Gründung der Arbeiterkammern als gesetzliche ArbeitnehmerInnenvertretung ein.

Nachdem Frauen endlich das aktive und passive Wahlrecht erlangt hatten, wurden bei den Nationalratswahlen 1919 acht Frauen, sieben davon Sozialdemokratinnen, ins Parlament gewählt. Unter ihnen Anna Boschek, die damit als erste Gewerkschafterin die Interessen der Arbeiterinnen im Parlament vertrat. Zusammen mit Käthe Leichter, die ihre parlamentarische Mitarbeiterin wurde, arbeitete sie nicht nur an allen sozialpolitischen Gesetzen mit, sondern war vor allem an frauenpolitischen Aktivitäten der Freien Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Sozialdemokratischen Partei maßgeblich beteiligt.

Buchtipp:

Mehr über das Leben und Wirken von Anna Boschek findet sich in der Publikation „Anna Boschek. Erste Gewerkschafterin im Parlament“, herausgegeben von Walter Göhring, Schriftenreihe des Instituts zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und Arbeiterkammern Nr 4, Wien 1998.

Was frau in dem Buch über Anna Boschek nachlesen kann

Wilhelmine Moik – ein Leben für die Frauenpolitik

Wilhelmine Moik, 1894 bis 1970

Wilhelmine Moik, 1894 bis 1970

Die Kurzbiografie von Wilhelmine Moik im Lexikon „dasrotewien.at“

Wilhelmine Moik war vor dem Zweiten Weltkrieg eine enge Mitarbeiterin von Anna Boschek. Nach Kriegsende war sie als „Frau der ersten Stunde“ führend am Aufbau der ÖGB-Frauenabteilung beteiligt.

Wilhelmine Moik entstammte einer Ottakringer Arbeiterfamilie. Der Vater war Werkzeugmacher, die Mutter arbeitete in Heimarbeit als Näherin. Wilhelmine wurde als viertes von neun Kindern am 26. September 1894 geboren. Schon als Kind trägt sie als Weißnäherin zum Familienunterhalt bei. Mi 18 tritt sie in die Gewerkschaft ein, 1916 wird sie Mitarbeiterin im Verein der Heimarbeiterinnen. 1921 übersiedelt sie in die (sozialdemokratische) Gewerkschaftskommission als enge Mitarbeiterin von Anna Boschek. 1928 wird Wilhelmine Moik zur Frauensekretärin im neu gegründeten Frauenreferat des Bundes Freier Gewerkschaften bestellt. Ab 1932 sitzt sie für die sozialdemokratische Partei im Wiener Gemeinderat – und bekommt damit aus nächster Nähe das Aushungern des Roten Wien durch die bürgerliche Regierung und schließlich im Februar 1934 das Ende der Demokratie und der Freien Gewerkschaften mit.

Trotz mehrmaliger Verhaftung während des Dollfuß-Regimes engagiert sich Moik für die Revolutionären Sozialisten. Auch die Nazis nehmen Moik wegen „illegaler Betätigung“ in Haft.  Mehr über GewerkschafterInnen im Widerstand von 1938 bis 1945 lesen

Aufbau der ÖGB-Frauenabteilung

Nach dem Krieg wird Wilhelmine Moik im Juni 1945 zur Leiterin der (noch provisorischen) Frauenabteilung berufen und auf dem 1. Frauenkongress 1951 zur Vorsitzenden der ÖGB-Frauen gewählt. Moik war bis 1963 Vorsitzende der ÖGB-Frauen. Von 1945 bis 1962 war sie auch Abgeordnete der SPÖ zum Nationalrat. Zu den besonderen Erfolgen ihrer Parlamentsarbeit zählte das 1957 beschlossene Mutterschutzgesetz und die Schaffung des bezahlten „Karenzurlaubs“ (wie es damals noch hieß) im Jahr 1960.

Buchtipp:

„Es hat sich alles mehr um´s Politische gehandelt. Wilhelmine Moik. Ein Leben für die gewerkschaftliche Frauenpolitik“ von Agnes Broessler, erschienen 2006 im ÖGB-Verlag.

Das Buch bietet mit der Darstellung des Lebens und der Arbeit von Wilhelmine Moik eine Zeitreise von der Zwischenkriegszeit im „Roten Wien“ über die Zeit des Austrofaschismus und Nationalsozialismus bis in die 60er Jahre der Zweiten Republik. Eine Zusammenfassung

Weitere Literatur zur gewerkschaftlichen Frauenpolitik und Gewerkschafterinnen in Österreich

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der ÖGB Frauen im Jahr 2005 erschien die Broschüre „Ohne uns geht nichts. 60 Jahre ÖGB Frauen“.  Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Forderungen und Errungenschaften der Gewerkschafterinnen sowie über die Frauen an der Spitze der ÖGB-Frauen.

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2 Antworten zu “Geschichte

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